trichter

Nutzbare Bodenflächen bei Panik

seit 1998

2002, Mousonturm Frankfurt

1. OG, Alltagssituation
Dibond, PU- Lack, Nachleuchtfarbe 150 x 150cm

2005, Bürogebäude in Bielefeld

EG+1.OG, Alltagssituation
Dibond, PU- Lack, Nachleuchtfarbe, 300 x 70cm

2006, Halle 14, Leipzig

1. OG, Ausstellung "Kultur der Angst"
Lack auf Wandoberfläche 520 x 312cm

2005, Puppenstube

Dibond, PU- Lack, 5 x 5cm

Sammlung

Auf einer Übersichtstafel werden Flächen markiert, auf denen ein Bleiben im Gefahrenfall möglich scheint- statt Flucht wird Ausharren angeboten.

Auf dem Grundriß eines Gebäudes, der den Betrachterstandort enthält, werden die Flächen markiert, auf denen ein Bleiben im Gefahrenfall möglich scheint- anstelle von Fluchtwegen wird das Ausharren angeboten. Die suchende Orientierung, entsprechend der Gewohnheit, geht plötzlich in Erschrecken über, wenn diese Zumuntung erkannt wird.
Der Schrecken ist ein ernsthaftes Bilderlebnis.


Hintergrund

I
Die technische Potenzierung in allen Lebensbereichen hat zur Folge, daß auch die Auswirkungen von Gefahren an Umfang zunehmen. Man kann nicht mehr so entkommen, wie es die erlernten Verhaltensmuster vorgeben. Um mit heutigen Gefahren ein besseres Arrangement treffen zu können, müssten die verfügbaren Vorstellungen von ihnen erweitert werden. Diese bilden sich am Besten in frühen Lernprozessen nach (wiederholt) geglückter Bewältigung von kleineren, bezugsnahen Gefahrensituationen heraus. So entsteht für den Umgang mit Gefahren und die Einschätzung von Risiken schrittweise ein souveränes Gefühl für den eigenen Handlungsspielraum. Eine Gesellschaft, deren Kinder in sicherheitstechnisch überwachten Umgebungen aufwachsen, besitzt ungenügendes Vermögen, um mit Zufällen, auch den unriskanten, angemessen umgehen zu können.
→ Diese Intoleranz gegenüber dem Unerwarteten ist gefährlich.

Zugleich hat die zunehmende Abhängigkeit von Energie-, Informations- und sonstiger institutioneller Versorgung die individuelle Fähigkeit, auf sich selbst gestellt zu überleben, herabgesetzt. Im Katastrophenfall fehlt die Orientierung und in Panikgefühlen ist es am naheliegendsten, sich mit der Umgebung zu synchronisieren. Unabhängige Lösungen zu finden, würde das Überleben aber eventuell besser sichern.
Die Fluchtbewegungen einer Masse fordern oft mehr Opfer, als wenn sich die Gefahr auf die wenigen, direkt Betroffenen, ausgewirkt hätte. Strömungswiderstände in dieser Bewegung verursachen z.B. nachfolgend Hochverdichtungen, die keinen Ausweg mehr lassen. 

II
Bei der grafischen Darstellungen von Fluchtwegen war es überraschend zu sehen, dass Menschen als drängende Masse eine neue biomorphe Gestalt annehmen; als ob sie gemeinsam eine stammesgeschichtlich ältere, verlorene Existenz animierten. In der gemeinsam an den zentralen Impuls gebundenen Form bilden sie natürliche Muster aus; gleichen Vogelzügen, Energieverteilungen oder wuchernden Rhizomen. Die strömenden Monaden bilden Segmente einer Metamerie, die an jeder Stelle die gleiche Zielinformation trägt. An Momenten von Gewaltausbrüchen (denn untereinander reagieren sie aggressiv- ignorant) oder Entscheidungen erzwingenden Architekturteilen bilden sich die Furkationen.

III
analoger Erstellungsvorgang der Tafeln
1) In einem architektonischen Grundriss werden die festen Einbauten eingetragen.
2)  Es werden Fluchtbewegungen vor Ort durch Eigenbewegung simuliert. Dabei wird von einer mittleren Menschenmenge ausgegangen, die der Wirkung motorischer Infektion unterliegt. Für eine allseitige Musterausbildung wird dabei die Vorstellung eines plötzlich wirkenden und nicht zu ortenden Gefahrenpotenzials zugrunde gelegt. Die übliche Quantität an Personen wird Raum für Raum vor Ort erschlossen. Nutzungsgewohnheiten von Personen, die die Fluchtbewegung beeinflussen, werden in Interviews erfasst und mit den Fließvorstellungen verbunden. Am Ende entstehen relativ detaillierte Kartierungen von Personenströmen im architektonischen Grundriß.
4) Werden diese Personenströme und die Einbauten vom Grundriss abgezogen, ergeben sich Restbereiche, die noch zur freien Verfügung stehen. Sie stellen die „Nutzbaren Bodenflächen bei Panik" dar und werden auf grünen Tafeln mit Nachleuchtfarbe markiert.

Das analog erstellte Modell berücksichtigt nicht die Eigendynamik kleiner Gruppen oder Kulminationen an Individualturbulenzen, wie sie in Computerberechnungen einbezogen werden können. Es ist vereinfacht zu einem Strömungsbild, in dem sich die Menge teilt und staut, ohne ihre erste Absicht mit Zweitreaktionen zu überlagern. Einzelentscheidungen werden ebenfalls grafisch vernachlässigt. Die Art der Nutzung, in der dramatischen Situation, wird nicht bestimmt.

Ausführungen

  • 1998, Galerie Fruchtig- Frankfurt: Tempera auf S/W-Digitaldruck, 100 x 70cm
  • 1999, Deutsches Ledermuseum EG- Offenbach: Aquarell auf S/W-Digitaldruck, 155 x 91cm
  • 2000, Galerie Pankow- Berlin, Aquarell auf Fotokopie, 29,8 x 21cm
  • 2001, Museumsakademie- Berlin, Aquarell auf Fotokopie, 29,8 x 21cm
  • 2002, Mousonturm 1. OG- Frankfurt: Dibond, PU- Lack, Nachleuchtfarbe  150 x 150cm
  • 2005, Bürogebäude EG+1.OG – Bielefeld: Dibond, PU- Lack, Nachleuchtfarbe, 300 x 70cm
  • 2006, Halle 14 1. OG – Leipzig: PU Lack auf Wandoberfläche, 520 x 312cm und Digitaldruck auf PE- Folie, 155 x 96cm
  • 2006, ACC Galerie- Weimar: mit Marker colorierter S/W-Digitaldruck ca. 80 x 60cm
  • 2006, Baumwollspinnerei Halle 9 UG – Leipzig: Hartfaser PU Lack, 240 x 150cm
  • 2006, Idealhaus Europa- Typ Family 5: Dibond, PU- Lack, Nachleuchtfarbe ca. 60 x 60cm

1998

Foto, Ölfarbe, 60 x 42cm

1998, Idealpanik- Modell

Holz, Plexiglas, Tempera, Folienschnitt, Acrylfarbe
74 x 64 x 24 cm

o.T.

1998

1998, Studie für Idealpanik

Collage, Zeichnung
29,7 x 21cm

1998

test
Close