trichter

Umzugsburg

2007/ 2010

Leipzig 2007

inszenierte Fotografie, Diasec 173 x 142cm, Auflage 3+1

Sammlung

Die aus dem Wohnverhältnis gelösten Möbel werden Stückgut und Bausteine. Diese Eigenschaft besitzt jegliche Möblierung schon im Voraus. Die Umzugsburg ist ein Spezialfall geordneten Eigentums. Die maximale Paßgenauigkeit ersetzt die bisherige Bedeutung. Der lückenlose Hintergrund wird zu einer zeitgemäßen Fortifikation.

Es ist ein Verdienst jeder Katastrophe, das Festgefügte beweglich zu machen.

I. Es wird eine Episode der Verwandlung vorgestellt. Während äußeren Gründen fortzugehen Folge geleistet wird, entsteht unter dem Eindruck der Auflösung Widerstand, der zur Verteidigung des Dableibens führt.

Die aus dem Wohnverhältnis gelösten Möbel werden Stückgut und Bausteine. Diese Eigenschaft besitzt jegliche Möblierung schon im Voraus. Die Umzugsburg ist ein Spezialfall geordneten Eigentums. Die maximale Paßgenauigkeit ersetzt die  bisherige Bedeutung. Der lückenlose Hintergrund wird zu einer zeitgemäßen Fortifikation.

II. Die Darstellung bietet zahlreiche Interpretationsmöglichkeiten. Weitreichend und zugleich alltäglich ist die Schwellensituation zwischen Beharren und Vertreibung. Nur ein Beispiel: in der Gesellschaft etabliert sich  das Nomadisieren. Grund dafür ist u.a. die Ausweitung der Zumutbarkeitstoleranzen, z.B. bei der Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsort. Viele früher standortbezogene Berufe werden heute umherwandernd und/ oder übergangsweise ausgeübt. Die zunehmende Notwendigkeit, „Lebensabschnittsberufe“ zu erlernen, fördert die Bindungslosigkeit. Die Berufe werden zu Jobs (siehe Namenswechsel Arbeitsamt -> Jobcenter). Damit sinkt auch die Bedeutung der „Lebensabschnittsorte“. Zugleich findet die innere Sehnsucht nach Seßhaftigkeit immer mehr Ersatzformen und Projektionen.

Hinter Hab und Gut verschanzt, latent ein Fremder.

  • 2003, Installation: „Rund ums Bild“, Kunstraum B- Leipzig
  • 2008, Fotografie und 1:1 Ausdruck: „Vollendete Zukunft“, Galerie Parterre- Berlin
  • 2008, Fotografie: „Jahrgang Rausch“, Atelier Frankfurt- Frankfurt
  • 2010, Drei innerstädtische Aktionen: “Hacking the city”, Museum Folkwang- Essen

  • Kokot, Waltraud/ Gruber, Martin: Betroffene von Räumungsklagen und Verbleib von Zwangsgeräumten : eine ethnologische Untersuchung zu Lebenssituation und Verbleibsalternativen, Hamburg 2007
  • Westerhoff, Kurt: Die  symbolische Zwangsräumung, Hochschulschrift: Köln, Rechtswiss. F., Diss. v. 22. Juli 1958
  • Schlosser, Otto [Hrsg.]: Mieter in der Krise - fristlos gekündigt - Zwangsräumung droht, Berlin  1984
  • Norbert F. Schneider: Berufliche Mobilität und psychosoziale Gesundheit in: A. Weber, G Hörmann (Hg), Psychosoziale Gesundheit im Beruf, Stuttgart 2007
  • Autor?: Wie mobil ist der Mensch, FAZ 15.7.2007
  • Ulrich Reinisch: Maß, Zahl und Kanonenkugel in: kritische berichte 3/2004
  • Otto Piper: Burgenkunde, Augsburg 1993
  • Oscar Mothes: Baulexikon
  • Malcolm Gladwell: The Tipping Point, Berlin 2000
  • Alexander Kluge: Bauen für den Krieg in: Arch+ Nr. 71 (1983)
  • Egon Eis: Illusion der Sicherheit- Das Schicksal der großen Bollwerke, 1958

 

Zitat:

"Wenn es Revolutionäre gibt ohne eine Situation in der sie gemacht werden kann, dann werden sie leicht zu komischen Figuren."

-> Ralf Dahrendorf, Fernsehdiskussion, 1967 www.youtube.com/watch


Essen, 2010

Aktion Glashüttenstraße

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